Zur Erinnerung an deutsche Opfer: Geschichte, Zeugnis und Fiktion in Grass’ Novelle Im Krebsgang

Autor/innen

  • Helmut Galle

DOI:

https://doi.org/10.11606/1982-8837.pg.2005.73570

Schlagwörter:

Fiktion, Geschichte, kollektives Gedächtnis

Abstract

Der Artikel untersucht anhand einer Novelle von G. Grass eine aktuelle Tendenz der deutschen Literatur über den Zweiten Weltkrieg, in der nicht mehr die Schuld, sondern das Leiden der deutschen Bevölkerung im Zentrum steht. Grass’ Text zeigt eine spezifische Sorgfalt im Umgang mit den historischen Fakten und macht dem Leser die Differenz von faktualen und fiktionalen Elementen besonders transparent. Im fiktionalen Bereich imitiert der Autor die Gattung des Zeugenberichts, was wesentlich dazu beiträgt, seine Novelle zum Träger von kollektiver Erinnerung zu qualifizieren. In der fiktionalen Handlung ist außerdem eine politische Argumentation aufgehoben, mit der unterstrichen wird, warum auch der deutschen Opfer gedacht werden muss: um der Wahrheit und des emotionalen Gleichgewichts willen und um einen – wenngleich schmalen – Ausweg aus dem über Generationen fortgesetzten Teufelskreis der Gewalt zu finden. Grass’ Novelle steht damit zugleich in einer Tradition von Vergegenwärtigung historischer Ereignisses im Dienste einer humanistisch-aufgeklärten kollektiven Erinnerung, das sich in Deutschland auf Schillers Dramen zurückverfolgen lässt.

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Autor/innen-Biografie

  • Helmut Galle
    Der Autor ist Professor an der Universidade de São Paulo.

Literaturhinweise

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Veröffentlicht

2005-12-17

Ausgabe

Rubrik

Nao definida

Zitationsvorschlag

GALLE, Helmut. Zur Erinnerung an deutsche Opfer: Geschichte, Zeugnis und Fiktion in Grass’ Novelle Im Krebsgang. Pandaemonium Germanicum, São Paulo, Brasil, n. 9, p. 115–154, 2005. DOI: 10.11606/1982-8837.pg.2005.73570. Disponível em: https://revistas.usp.br/pg/article/view/73570. Acesso em: 2 feb. 2026.